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Um den Mitgliedern unserer Genossenschaft über unsere Geschäftstätigkeit fundiert Rede und Antwort stehen zu können, bin ich als Vorstand der Hylea Regenwaldprodukte eG regelmäßig in Bolivien. Dies nicht nur, um mich vor Ort über Verlauf und Entwicklung der Paranussernte zu informieren. Die Glaubwürdigkeit unserer Mission beinhaltet für mich als Verantwortlicher auch, sich persönlich von einem möglichst reibungslosen Ablauf von der Gewinnung, über die Produktion bis hin zum Export des Wertschöpfungsprodukts zu überzeugen.

In der Phase der Wildernte werden hohe finanzielle Mittel in den Ankauf von Rohware gebunden, bis diese schließlich abverkauft und exportiert werden können. Egal wie professionell Planung und Organisation im Vorfeld sind – diese Phase ist mehr von der Laune der Natur abhängig, als man sich in unseren Breitengraden vorstellt. Mit welchen Herausforderungen wir dabei oft zu kämpfen haben, möchte ich in meinem Bericht kurz zeigen. Kommen Sie mit auf eine Reise durch den Dschungel Boliviens.

Ankunft nach 31 Stunden

Ankunft in Bolivien

Welcome to Riberalta. Nach 31 Stunden Anreise, inklusive einem Umstieg in Europa und einem in Bolivien sowie zwei weiteren Zwischenladungen, warte ich auf mein Gepäck. Hier befindet sich alles „kompakt“ an einem Ort: Gepäckausgabe, Flughafen-Sicherheit und im Hintergrund der Tower.

Klaus Karch vor dem Abflug

Von da aus geht es mit der Cessna weiter.

Mit der Cessna zum Zielgebiet

Nach einer Stunde Flug bin ich endlich in Fortaleza.

Inspektion des Lagerhauses

Lager mit Paranüssen

In Fortaleza erfolgt sogleich eine Inspektion des Lagerhauses, das aus allen Nähten platzt.

Paranüsse auf Lager

Hier lagert Rohware, die auf ihren sukzessiven Abtransport in Lohn-Produktionsstätten wartet und circa 20 Export-Container Paranüsse ergibt.

Ein Sack Paranüsse.

Überfahrt der Paranüsse

Aber ein regelmäßiger Schiffstransport ist derzeit wegen Hochwasser während der Regenzeit nicht getaktet durchführbar.

Der Dschungel-Highway… to hell

Nachdem das Sammelgebiet rund um Fortaleza in den letzten sieben Jahren von 17 auf jetzt über 86 Gemeinden ausgedehnt wurde, waren seitens „Hylea 1884“ große Anstrengungen nötig, um auch eine entsprechende Infrastruktur aufzubauen.

Dschungel-Highway

So sieht mittlerweile der “Dschungel-Highway“ an den Stellen aus, die schon fertiggestellt wurden. Eine Strecke von fünf Kilometern lassen sich jetzt in höchstens 15 Minuten zurücklegen. Vor drei Jahren, als wir den Film für unsere Homepage gedreht haben, haben wir für diese Strecke mit den Motorrädern noch eine Stunde (!) gebraucht.

Waschen auf dem überfluteten Bach

Dann ist aber Endstation! Aufgrund lang anhaltender, ergiebiger Regenfälle ist der kleine Fluss (normaler Weise eher ein Bach) dauerhaft über die Ufer getreten. Das „Podest“ in der Mitte ist eigentlich die Brücke bei normalem Wasserstand.

Auf der anderen Seite der Brücke wurden vor Beginn der Regenzeit leider von den 40 Kilometern Gesamtstrecke nach Girado zehn nicht fertig gestellt. Dort befindet sich eine von vier großen, neu errichteten zentralen Sammelstationen, in der ebenfalls Rohware lagert, die für circa 15 Container Exportware ausreicht. Und da dort Nüsse für Kommissionsan- und -verkäufe der Genossenschaft lagern, mache ich mir natürlich auch ein Bild von diesem Lager. Aber die Strecke hat es in sich … Sehen Sie selbst.

Zuerst setzten wir zwei Motorräder mithilfe eines Einbaums über den kleinen Fluss, der über die Ufer getreten war.

Versperrter Weg

Auf der anderen Seite des Flusses sah es nicht besser aus: Immer wieder mussten wir vom Motorrad absteigen, da es entweder festgefahren war oder ein Baum den Weg versperrte.

Unwägbare Natur

Weggespülte Straße im Dschungel

An einer Stelle waren plötzlich drei Viertel der Strecke weggespült.

Zu früh gefreut

Nachdem wir die Motorräder über einen frisch umgefallenen Baum getragen hatten …

… erwartete uns auf der anderen Seite die Überraschung: Freundlicher Weise kam uns der Verwalter des Lagers Girado entgegen, um uns die Fahrt mit einem Pick-up etwas zu erleichtern.

Klasse – ein richtiger Autositz, keine eingeschlafene Beine mehr, wie auf dem Motorrad, klimatisiert und ohne Moskitos! Dieser Traum dauerte leider nur genau 80 Meter. Dann kam alles anders.

Natürlich haben wir probiert, mit vereinten Kräften die Kiste wieder flott zu kriegen. Was sich leider als sinnloses Unterfangen entpuppte, das Stunden gedauert hätte. Vor allem die Moskitos freuten sich, denn die bekamen ein ordentliches Mittagessen. Also stiegen wir wieder auf die Motorräder und schafften doch noch die restlichen 20 Kilometer der Strecke. Und endlich, endlich:

Verdiente Pause

Lagerhaus in Girado, Bolivien

Dependance Girado, circa 1.800 Quadratmeter, mit Lagerfläche, Büro und Übernachtungsmöglichkeit.

Klaus Karch im Paranuss-Lager

Pause

Nach den Strapazen brauchte ich erst einmal eine Pause. Und wo ruht es sich am besten aus? Auf unserer vorfinanzierten Rohware, liebe Mitglieder!

Nach der Besichtigung fuhren wir die ganze Strecke wieder auf dem gleichen Weg mit den gleichen Unwägbarkeiten zurück – 46 Kilometer.

Klaus Karch - Indiana Jones

Am Ende der Tour: Indianer-Jones hat fertig, Feierabend!

Übrigens: Einen Tag später regnete es so stark, dass dieser “Spaß” unmöglich gewesen wäre.

Die Natur fordert Improvisation

Das Problem ist, dass in der Regenzeit auf dieser zum großen Teil fahrbar gemachten Buschpiste, auch kein LKW die Baustelle zur modernsten Fabrik der gesamten Paranuss-Branche in Fortaleza erreichte, wo dringend Material benötigt wurde. Unvorstellbar, wie hier die Natur alles, was man sorgfältig geplant hat, mal eben über den Haufen werfen kann. Improvisation ist gefragt. Noch dazu liefen zu diesem Zeitpunkt aus den Seehäfen der ganzen Westküste Südamerikas keine Containerschiffe aus. Der Grund waren heftige Stürme. Somit konnten die Export-Lieferungen nach Europa und die USA erst verzögert ausgeführt werden.

Doch mittlerweile waren bereits Ende April, nach Ende der Regenzeit, schon wieder 150 LKW-Ladungen Baumaterial über die Dschungelpiste angeliefert worden. Auch 42 Container Exportware konnten bisher an Abnehmer des Lebensmittelhandels in Europa und USA geliefert werden. Nun warten noch 50 bis 60 Container dieser Erntesaison sukzessive auf ihre Weiterverarbeitung und Verschiffung.

Vor meinem Rückflug von Riberalta nach Santa Cruz.

Ende August bin ich wieder für ein paar Tage vor Ort. Ich werde Sie danach über den Stand des Fabrik-Neubaus in einem Blogbeitrag informieren.

Vergessen Sie bis dahin nicht, sich in unserem Onlineshop unter https://www.hylea-eg.de/shop in der Kundengruppe „eG-Mitglied“ die Mitglieder-Rabatte für unsere leckeren Paranüsse der aktuellen Ernte zu sichern!

2018-08-09T16:31:45+00:00