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Der Weg der Paranuss

Wer schon einmal eine Paranuss gegessen hat, kennt ihren leicht öligen, mandelartigen und süßen Geschmack. Vor allem im Herbst und bis zur Weihnachtszeit steigt die Nachfrage nach der nahrhaften Nuss in Deutschland an. Dabei gibt es Paranüsse das ganze Jahr zu kaufen. Neben ihrem vollmundigen Geschmack stecken in der Nuss viele wertvolle Proteine und das für die Abwehrkräfte des Körpers wichtige Selen. Doch bis die Paranuss den Weg zu uns auf den Tisch findet, benötigt es viel Geduld und Sorgfalt.

Woher kommt die Paranuss eigentlich?

Die Heimat der Paranüsse ist der Amazonas-Regenwald. Paranüsse, neuerdings auch Amazonas Nuss genannt, sind die Kapselfrucht-Samen des Paranussbaums. Das Verbreitungsgebiet der bis zu 50 Meter hohen Regenwaldriesen erstreckt sich von Südmexiko bis Südbrasilien. Bolivien ist mit einem Weltmarktanteil von 75 Prozent – je nach Erntemenge – der größte Exporteur von Paranüssen. Brasilien und Peru teilen sich gleichauf die restlichen Anteile. Die Erntezeit ist von Dezember bis März.

Eine Stadt gibt der Nuss ihren Namen

Ein Blick ins Geschichtsbuch erklärt die Namensherkunft der Paranuss: Am Mündungsgebiet des Amazonas im Norden Brasiliens, liegt die Hafenstadt Belém. Der Name der Stadt änderte sich im Laufe der Zeit immer wieder. Im 17. Jahrhundert hieß der Ort zeitweise Santa Maria do Gráo Pará – kurz Pará. Nach dieser Hafenstadt wurde die Nuss benannt. Genau in dieser zeitlichen Epoche waren vor allem holländische Händler, Seefahrer und Entdecker in der Gegend, die die Paranuss mit nach Europa brachten.

Durchschnittlich 20 Kerne verstecken sich in einer Paranusskapsel.

Ökowunder Regenwald

Paranussbäume können nur in einem gesunden Ökosystem eines intakten Regenwaldes blühen, bestäubt werden und Früchte bilden. Alle Versuche, den Paranussbaum zu kultivieren, sind bisher gescheitert. Geht es dem Baumriesen gut, kann er ein Alter von 500 Jahren oder mehr erreichen. Bis zur ersten Ernte vergehen allerdings ungefähr zwanzig Jahre. Solange dauert es, bis aus einer zarten Pflanze ein stattlicher Baum geworden ist. Das Warten lohnt sich, denn der Ertrag ist üppig: eine einzelne Paranusskapsel enthält durchschnittlich 20 Kerne, ein Baum mit 400 Kapseln kann somit bis zu 8.000 Paranusskerne pro Jahr produzieren. Doch auch die Ernte einzuholen, ist mit Geduld und Geschick verbunden. Die Stämme des Paranussbaumes sind sehr hoch und haben einen Umfang von bis zu fünf Metern, so dass die Sammler warten müssen, bis die reifen Früchte während der Regenzeit zu Boden fallen. Und beim Einsammeln im Gestrüpp unter den Bäumen ist bei der Wild-Ernte ist dann Vorsicht geboten. Denn ein großes Exemplar einer Paranusskapsel kann bis zu zwei Kilogramm schwer werden – ein gefährliches Geschoss, wenn sie aus 50 Meter Höhe fällt.

Zahlen und Fakten zur Paranuss.

Eine überlebenswichtige Einzelgängerin

Das Besondere an der Fortpflanzung der Paranuss ist, dass nur eine einzige Bienenart die Bäume bestäuben kann: Die Orchideenbiene (Euglossa). Die Zunge der weiblichen Biene ist lang genug, um die großen, gelben Blüten des Paranussbaums zu bestäuben. Die weibliche Orchideenbiene ist nicht gesellig und lebt als Einzelgängerin. Die männliche Biene „parfümiert“ sich mit dem Duft der Gongora-Orchidee, damit sie von einem Weibchen im riesigen Amazonas Regenwald überhaupt gefunden werden kann. Daher ist es unmöglich, diese Bienenart auf Plantagen als Bienenvolk zu halten beziehungsweise zu züchten. Das ist ein Grund, warum Paranussbäume nicht angebaut werden können. Ohne die Wildbiene „Euglossa“ und ohne die Orchideenart „Gongora“ gäbe es also keine Paranüsse. Daher ist es für den Paranussbaum überlebenswichtig, das einzigartige Ökosystem des Amazonas-Regenwaldes zu erhalten.

Übersicht Marktanteile am Paranussmarkt.

2018-07-17T14:37:18+00:00